Stark für zwei

Wenn es soweit ist – geplant oder auch überraschend, zum ersten oder wiederholten Mal – erlebt jede Frau ihre Schwangerschaft anders. Während die eine von Anfang an ein großes Glücksgefühl empfindet und sich „rundum“ wohlfühlt, braucht die andere vielleicht etwas länger, um sich auf die hormonellen Veränderungen in ihrem Körper einzustellen und die neuen „Umstände“ zu akzeptieren. Wieder andere Frauen haben mehr oder weniger Monate lang starke Beschwerden und tun sich schwer, diese Zeit so richtig zu genießen.
Und manchmal kann es auch sein, dass Schwangerschaft und Vorfreude durch eine Fehlgeburt ganz plötzlich unterbrochen werden und die Frau einen großen Verlustschmerz verarbeiten muss.

So unterschiedlich Schwangere auch sind und sich fühlen, so haben doch alle eine Gemeinsamkeit: über einen gewissen Zeitraum haben sie einen Gast, einen „Untermieter“, für den sie die volle Verantwortung tragen und für den ihre Fürsorge mit die Lebensgrundlage ist.

Falls Sie zu den Frauen gehören, die schwanger werden wollen oder es bereits sind, sollten Sie deshalb besonders auf sich selbst und Ihre Lebensgewohnheiten achten. Die Vorbereitung des Umfeldes ist wichtig und schön, doch viel wichtiger als die Größe und Farbe des Kinderzimmers oder des ersten Stramplers ist das Wohlergehen des Kindes.


Von Beginn der Schwangerschaft an werden die Grundlagen für die Gesundheit eines Menschen geschaffen. Das Baby isst und trinkt alles mit, daher sollten Sie jetzt Ihre Ernährung  umstellen, um den gesteigerten Bedarf an Mineralien und Vitaminen zu decken und so Mangelerscheinungen vorzubeugen.
Schränken Sie Ihren Kaffee- und Schwarzteekonsum auf höchstens eine Tasse pro Tag ein oder verzichten Sie am besten ganz darauf. Probieren Sie alternativ Malzkaffee und trinken Sie genügend stilles Wasser. Auch manche Tees sind empfehlenswert, informieren Sie sich jedoch zuvor bei Ihrer Hebamme oder in der Apotheke über bewährte Mischungen, denn nicht alle Kräuter sind für Schwangere geeignet.
Vermeiden Sie Alkohol, Zigaretten, Fastfood und Softdrinks! Kaufen Sie bevorzugt Bio-Nahrungsmittel sowie frisches Obst und Gemüse und sorgen Sie für regelmäßige, abwechslungsreiche Mahlzeiten.
In der Schwangerschaft kann es durch die Dehnung des Gewebes dazu kommen, dass sich die Haut vor allem im Bauch-, Brust- und Oberschenkelbereich trocken anfühlt oder spannt. Nehmen Sie sich daher mehr Zeit für Ihre tägliche Körperpflege und cremen Sie sich häufiger ein oder lassen Sie sich von Ihrem Partner oder einer Freundin mit einer entspannenden Ölmassage verwöhnen. Verwenden Sie dafür möglichst zertifizierte Naturkosmetik, denn die Haut ist unser größtes Organ und alle Stoffe, die wir über sie aufnehmen, gelangen über die Plazenta direkt in den Körper des Ungeborenen. Das gilt übrigens auch für die Haare, vermeiden Sie während der gesamten Schwangerschaft und Stillzeit chemische Haarfärbemittel.

Bereits im Mutterleib erlernen Kinder Ess- und Schlafrhythmen und reagieren sehr sensibel auf Stress und Unruhe.
Erlauben Sie sich immer wieder kleine Pausen und überlegen Sie, was Ihnen und Ihrem Baby gut tun könnte; hören Sie dabei auf Ihre innere Stimme und vertrauen Sie auf Ihr Bauchgefühl, im wahrsten Sinne des Wortes.
Viele Frauen entscheiden sich z.B. für das Praktizieren von Schwangerschaftsyoga, um durch sanfte Körper- und Atemübungen Beschwerden wie Übelkeit und Völlegefühl, Venenstau oder Schlafproblemen vorzubeugen. Besonders Mehrfachmütter genießen diese Zeit „alleine“, da sie so die Möglichkeit haben, eine Pause vom Familienalltag einzulegen und sich zu entspannen.
Besonders in Momenten der Stille können Sie bewusst eine Beziehung zu Ihrem Kind herstellen und z.B. durch Auflegen Ihrer Hand auf den Bauch spüren, ob es ihm gut geht. Oder Sie schicken ihm liebevolle Gedanken – lauschen Sie auf seine Antwort!
Wachsen Sie gemeinsam mit Ihrem Baby in Ihre (neue) Mutterrolle hinein. Genießen Sie die Veränderungen Ihres Körpers und Ihrer Psyche. Vielleicht werden Sie in der Schwangerschaft empfindsamer oder aber auch durchsetzungsfähiger – lassen Sie sich überraschen!

Besondere Vorsicht ist jetzt bei der Nutzung von Mobil- und Schnurlostelefonen sowie Fernseher geboten, vermeiden Sie Strahlungen, die für Ihr Ungeborenes schädlich sein könnten, so weit wie möglich.
Das gleiche gilt übrigens auch für pränatale Diagnostik wie Ultraschall- oder Fruchtwasseruntersuchungen, fragen Sie sich, was während der Behandlung mit Ihrem Baby passiert und ob Sie das wollen. Manche Föten bewegen sich nach dem Ultraschall  viele Stunden lang nicht, andere werden sehr unruhig und bei einem Eingriff wie der Amniozentese können zuvor gesunde Babies schwer verletzt werden.
Fragen Sie sich, wovor Sie Angst haben und überlegen Sie sich, ob Sie sich gegen Ihr Kind entscheiden würden, falls eine Behinderung festgestellt würde oder ob Sie es auch ohne ärztliche Diagnose so annehmen können, wie es ist. Wenn ja, haben Sie Vertrauen, das stärkt Sie beide!

Informieren Sie sich frühzeitig über Themen wie z.B. Impfungen und wägen Sie Nutzen und Risiko ab – in so gut wie allen Geburtskliniken wird kurz nach der Entbindung routinemäßig die erste Dosis Vitamin K oral verabreicht und laut Impfkalender der STIKO wird bereits in der neunten Lebenswoche die erste 6-fach-Impfung gegen Tetanus, Diphterie, Keuchhusten, HIB, Polio und Hepatitis B empfohlen.
Überlassen Sie es nicht außenstehenden Personen zu entscheiden, was für Sie oder Ihr Kind richtig ist, denn letztendlich steht es nur den Eltern zu, diese verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen. Werden Sie kompetent und hinterfragen Sie Informationen grundsätzlich: wer sagt das, woher weiß er das und denke ich, dass diese Aussage zu mir/uns und meiner/unserer Lebenseinstellung passt? Wägen Sie bei allen Entscheidungen, die Ihr Kind betreffen, das Für und Wider sorgfältig ab, denn sobald Sie einen Entschluss gefasst haben, müssen Sie auch die möglichen Konsequenzen (er)tragen.

Bereiten Sie sich körperlich und mental auf die Geburt vor und suchen Sie sich rechtzeitig eine Hebamme, bei der Sie sich wohlfühlen. Bereits während der Schwangerschaft hat sie viele wertvolle Tipps und Antworten auf all Ihre Fragen, begleitet Sie auf Wunsch bei der Geburt und übernimmt auch die Nachsorge bei Ihnen zuhause.
Ob Sie die Entbindung im Krankenhaus, Geburtshaus oder lieber zuhause erleben möchten, entscheiden Sie. Informieren Sie sich über Kliniken und Geburtshäuser in Ihrer Nähe, die meisten bieten regelmäßig Infoabende an.
Insofern keine Risikoschwangerschaft besteht oder die Kindslage (z.B. Nabelschnurvorfall, Steißlage) dies verbietet, sollten Sie eine natürliche Geburt ohne Narkose in Erwägung ziehen, da Betäubungsmittel über den Blutkreislauf in die Plazenta gelangen und so dem Kind schaden können.

Haben Sie Vertrauen in Ihre natürliche, weibliche Stärke und seien Sie stolz darauf – jeden Tag werden auf der ganzen Welt Millionen von Kindern geboren, die meisten davon nicht im Krankenhaus mit Narkose oder unter der Dauerüberwachung von Ärzten und Maschinen.

„Ein Kind ist sichtbar gewordene Liebe.“ Novalis

Je zuversichtlicher Sie dem Geburtsvorgang entgegensehen, desto offener ist Ihr Körper dafür, wenn es soweit ist. Machen Sie aktiv mit, um im wahrsten Sinne des Wortes Ihr „Kind auf die Welt zu bringen“, und heißen Sie es dann zum ersten Mal in Ihren Armen willkommen.
Die Geburt eines Menschen ist ein Wunder, lassen Sie sich diesen Moment reinsten Glücksgefühls nicht nehmen! Ein Baby muss nicht sofort nach der Geburt gemessen und gewogen, geschweige denn gebadet werden. Im Gegenteil: Je mehr Zeit wir ihm lassen, auf dieser Welt anzukommen, desto besser.
Die meisten Neugeborenen suchen bereits nach kurzer Zeit instinktiv die Brust, um in den Genuss des Kolostrums zu kommen, einer äußerst nahrhaften „Vormilch“, die perfekt auf den Magen-Darmtrakt des Babies abgestimmt ist und zudem wertvolle Antikörper enthält, wodurch es vor Krankheiten geschützt wird.

Während des Stillens werden in den ersten Tagen nach der Geburt im weiblichen Körper Hormone ausgeschüttet, die Kontraktionen der Gebärmutter hervorrufen und so deren natürliche Rückbildung optimal unterstützen. Das Saugen regt außerdem den Milchfluss an, sodass sowohl die Menge als auch die Beschaffenheit der Muttermilch immer an die jeweiligen Bedürfnisse des Säuglings angepasst sind.
Haben Sie also keine Angst, dass Ihre Milch nicht reichen könnte, Ihr Körper stellt sich automatisch auf den „Appetit“ Ihres Babies ein! Und der kann je nach Tagesform oder Wachstumsschub ganz unterschiedlich sein.
Das Zufüttern in Form von Flaschennahrung ist daher in der Regel nicht notwendig, es sei denn, bei der Mutter stellt sich eine eitrige Brustentzündung (Mastitis) ein.
Diese kann jedoch durch regelmäßiges Anlegen „nach Bedarf“ meist bereits im Vorfeld vermieden werden. Sollte sich dennoch ein unangenehmes Spannungsgefühl in der Brust entwickeln, holen Sie sich unbedingt Rat bei Ihrer Hebamme oder Ihrem Arzt!
Brustentzündungen sollte man nicht unterschätzen, zumal in schweren Fällen eine Behandlung mit Antibiotika oder sogar ein operativer Eingriff notwendig sein können. Währenddessen darf Ihr Baby nicht mehr von Ihnen gestillt werden, da Eiter und Medikamente in die Muttermilch übergehen und so die Gesundheit des Säuglings gefährden.
Bedenken Sie, dass Ihr Kind auch während der gesamten Stillzeit mitisst und -trinkt! Sorgen Sie daher weiterhin für eine abwechslungsreiche, gesunde Ernährung und trinken Sie ausreichend Wasser oder Tee (z.B. “Stilltee” von Alnatura oder Weleda), denn durch die Milchbildung ist Ihr Flüssigkeitsbedarf deutlich höher also sonst.

Genießen Sie aber vor allem die Nähe und Geborgenheit mit Ihrem Baby und stillen Sie so lange wie möglich, mindestens jedoch sechs Monate – Muttermilch ist mit keiner anderen Säuglingsnahrung vergleichbar!
Manche Kinder tun sich in den ersten Tagen und Wochen noch etwas schwer mit dem Trinken an der Brust, schreien viel oder wachen nachts oft auf und stellen ihre Mütter damit auf eine harte Geduldsprobe. Geben Sie das Stillen deswegen nicht auf, sondern haben Sie Vertrauen, dass Sie die schwierige Anfangszeit gemeinsam überstehen und einen Rhythmus finden werden. Um Mutter und Kind die dafür nötige Ruhe zu bieten, ist nicht nur die Unterstützung der Hebamme, sondern auch die der nahestehenden Personen gefragt.
Am besten wäre es, wenn Sie im Wochenbett von Ihrem Partner, Ihrer Mutter oder einer Freundin bekocht und versorgt werden, damit Sie die erste Zeit ungestört mit Ihrem Kind genießen und sich von der Geburt erholen können.
Denken Sie daran: weniger (Aufregung, Besuch) ist mehr!

Falls Sie bereits Kinder haben, planen Sie bewusst „babyfreie“ Zeit ein, in der Sie sich ausschließlich mit den Großen beschäftigen. In der gemeinsamen Familienzeit wollen und können ältere Geschwister in die Babypflege mit einbezogen werden und so ganz natürlich in ihre neue Rolle hineinwachsen. Wenn sie sich der Liebe der Eltern sicher sind und sich mit ihren Bedürfnissen angenommen fühlen, entsteht Eifersucht auf das Kleine meist gar nicht erst.
Auch wenn der Familienalltag so manches Mal anstrengend sein mag, seien Sie sich immer bewusst, wie einmalig und wunderbar Ihr(e) Kind(er) ist (sind). Zeigen Sie jedem auf seine Weise, wie dankbar und stolz Sie sind, dass es da ist so wie es ist, dann kann es Ihre Liebe spüren.

Übrigens: Falls Sie sich fragen, ob die Liebe überhaupt für ein zweites oder drittes Kind reicht, so kann ich Ihnen versichern, dass Sie sich deswegen keine Sorgen machen müssen. Meiner Erfahrung nach verfügt jede(r) von uns über unendlich viel Liebe und wir können darauf vertrauen, dass jedes weitere Kind ein bisschen mehr davon zum Leben erweckt.

Zum Weiterlesen empfehle ich vor allem die wunderbaren Bücher Die Hebammensprechstunde von Ingeborg Stadelmann und Das Stillbuch von Hannah Lothrop. Weitere Buchtipps für die (werdende) Familie finden Sie in der Rubrik Mehr für Dich.

 

Wir freuen uns über Ihr Feedback, wenn Sie eine Beratung in Anspruch genommen haben.

Feedback

Für Berater/innen:

Das Team von mynaturveda.de freut sich auf Dich und Deine Praxis!

Kontakt

Flowers

NATURVEDA

Naturveda

NATURVEDA ist eine ganzheitliche, natürliche Ernährungs- und Gesundheitslehre, die in den 1990er Jahren erstmals definiert wurde und bis heute kontinuierlich wissenschaftlich weiterentwickelt wird.

Das Credo „Gesund leben, natürlich heilen!“ ist die Basis aller Anwendungen und Empfehlungen des NATURVEDA.
Sanfte Reinigungs-techniken, vitalstoffreiche Lebensmittel und natürliche Nahrungs-ergänzungen aus dem Schatz der Natur bringen den individuellen Stoffwechsel sicher ins Gleichgewicht zurück.